Satzung des Turnvereins „Wallenstein", e.V. zu Wallen

 

I.
Name und Zweck des Vereins

§ 1

Der Verein führt den Namen Turnverein „Wallenstein". Er soll in das Vereinsregister eingetragen werden. Der Zweck des Vereins ist Kräftigung und Veredelung des Körpers und Geistes durch Ausbildung in nützlichen körperlichen Bewegungen und Zuneigung der vorzüglichen geistigen Eigenschaften des Turnenden im Sinne des Wahlspruches: „Frisch, fromm, fröhlich, frei", ferner Wirken für allgemeine Verbreitung turnerischer Übungen.

 

II.
Mitglieder des Vereins

§ 2

Der Verein besteht aus aktiven und passiven Mitgliedern:

a) Aktive Mitglieder sind solche, die das 17. Lebensjahr erreicht haben und die Turnabende regelmäßig besuchen.

b) Passive Mitglieder sind solche:

1. die den Verein durch regelmäßige jährliche Beiträge unterstützen und die Benennung Turnfreunde führen

2. die mit allen Rechten der gewöhnlichen Mitglieder durch die Hauptversammlung ernannt werden, wenn sie sich in hervorragender Weise um den Verein verdient gemacht haben. Sie führen die Benennung „Ehrenmitglieder".

Eine Schülerabteilung kann durch Beschluss der Hauptversammlung gebildet werden. Zu dieser können junge Leute von 14-17 Jahren beitreten, dieselben haben weder Stimmrecht noch Anteil an dem Vermögen des Vereins und ihr Verhalten wird nach besonderer Satzung geregelt.

 

§ 3

Die Erlangung der Mitgliedschaft wird bedingt durch einen unbescholtenen Lebenswandel. Entehrendes Vergehen wegen gerichtlich bestrafter Personen können zur Aufnahme nicht zugelassen werden. Mitglied kann jeder Einwohner werden, der sich im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet, unverbrüchliche Treue gegen den Staat und dessen Verwaltung bekundet und einen ehrbaren Lebenswandel führt.

 

§ 4

Jeder, der dem Verein als Turner beitreten will, hat sich bei dem Turnwart anzumelden, und ist sein Name 14 Tage vor der Aufnahme auf die Tafel im Turnsaal zu schreiben, auch dem Vorsitzenden mitzuteilen. Über die Aufnahme neuer Mitglieder wird in der nächsten Vorstandssitzung, in welcher der Vorsitzende oder dessen Stellvertreter und mindestens noch 4 Personen des Vorstandes anwesend sein müssen, durch Stimmenmehrheit entschieden. Bei Stimmengleichheit gibt der Vorsitzende den Ausschlag.

Wer bei der ersten Aufnahmeberatung nicht durchkommen sollte, hat das Recht, sich nach Ablauf von 3 Monaten wieder zu melden. Wird die Aufnahme alsdann wieder abgelehnt, so hat der Vorstand etwaige fernere Gesuche abzulehnen.

 

III.
Pflichten und Rechte der Mitglieder

§ 5

Alle Mitglieder sind verpflichtet, die Satzung strenge zu beachten. Für die Turner ist außerdem noch die Turnordnung bindend.

 

§ 6

Turner zahlen bei der Aufnahme ein Eintrittsgeld von (?) Mk und außerdem am ersten Turnabend im Monat 0,50 Mk. Turnfreunde bezahlen einen Beitrag von (?) Mk. jährlich pränumerando.

 

§ 7

Turner und Turnfreunde sind wahlberechtigt und wählbar, sofern § 11 dieses gestattet. Der Gewählte darf nur aus triftigen Gründen die Wahl ablehnen und muss dann sofort durch die Hauptversammlung ein Ersatzmann gewählt werden.

 

§ 8

Jeder Mitglied hat das Recht, Anträge zu stellen und Beschwerde zu führen, falls dieselben nicht gegen die §§ dieses Statuts verstoßen. Alle Anträge, welche auf die Tagesordnung der nächsten Hauptversammlung, bzw. in dieser zur endgültigen Beschlussfassung kommen sollen, sind vor der Vorstandssitzung schriftlich einzureichen. Ausgeschlossen hiervon sind solche Anträge, welche entweder von der Hauptversammlung als dringlich anerkannt werden, oder solche, welche aus einer auf einen Punkt der Tagesordnung bezüglichen Verhandlung hervorgehen. Über derartige Anträge wird in derselben Hauptversammlung endgültig beschlossen. Anträge auf Abänderung der Satzung können niemals Dringlichkeits-Anträge sein.

 

§ 9

Alle Mitglieder haben gleichen Anteil an dem Eigentum des Vereins.

 

§ 10

Der Austritt aus dem Verein steht jedem frei, jedoch muss der Austretende, falls sich der Verein in Schulden befindet, den auf ihn entfallendem Teil der Schuld bezahlen. Der Austretenden verliert zugleich alle Rechte auf das Vereinsvermögen. Bevor ein Mitglied austreten kann, muss dieses dem Vorsitzenden sowie dem Turnwart mitgeteilt werden. Ausgetretene Mitglieder werden vom Vereine beim Gesuch um Wiederaufnahme als Freunde betrachtet.

Wer nach zurückgelegter Militärzeit oder sonstiger halbjährlicher Abwesenheit zurückkehrt und sich binnen 2 Monaten zur Wiederaufnahme meldet, wird ohne vorherige Aufnahmeberatung wieder aufgenommen, falls nichts Entehrendes vorliegt. Turner, welche nachweisen, dass sie im vergangenen Jahre Mitglied einer deutschen Turnerschaft waren, zahlen kein Eintrittsgeld.

 

IV.
Vorstand des Vereins

§ 11

Der Verein wählt alljährlich aus seiner Mitte einen Vorstand, bestehend aus 10 Mitgliedern, nämlich:

  1. Vorsitzenden und dessen Stellvertreter,
  2. Turnwart und dessen Stellvertreter,
  3. Schriftführer und dessen Stellvertreter,
  4. Kassenwart und dessen Stellvertreter,
  5. Zeugwart und dessen Stellvertreter

Turn- und Zeugwart und dessen Stellvertreter müssen Turner sein.

 

V.
Pflichten und Rechte des Vorstandes

§ 12

Der Vorstand als Vertreter des Vereins besorgt alle laufenden Geschäfte desselben und die für seine Handlungen verantwortlich. In allen gerichtlichen Angelegenheiten wird der Verein vertreten durch den Vorsitzenden und Schriftführer oder deren Stellvertreter.

 

§ 13

Der Vorsitzende, bzw. der Stellvertreter leitet die Versammlungen. Dem Turnwart liegt die oberste Leitung der Turnübungen ob. Der Schriftführer besorgt die schriftlichen Arbeiten und führt in den Hauptversammlungen das Protokoll. Der Kassenwart besorgt die Einnahmen und Ausgaben auf Anweisung des Vorsitzenden, er muss darüber genaue Rechnung führen, welche der Hauptversammlung alljährlich vorzulegen sind. Außerdem ist dem Vorstand auf Verlangen jederzeit über den Stand der Kasse Bericht zu erstatten. Ferner steht dem Vorstand jederzeit die Revision der Kasse zu. Werden dabei Defekte entdeckt, so ist solches in einer außergewöhnlichen Generalversammlung mitzuteilen. Außerdem hat der Vorstand Sorge dafür zu tragen, dass dem Verein gehörende, zur Zeit nicht verwendbare Gelder sicher und zinstragend angelegt werden. Der Zeugwart ist verpflichtet, sämtliche Geräte in gutem und brauchbaren Zustande zu erhalten, und über alle dem Verein gehörende Gegenstände ein genaues Verzeichnis zu führen, auch ist der Vorstand angehalten, alljährlich 2 mal eine Revision des Inventars vorzunehmen.

 

§ 14

Auf den schriftlichen Antrag von 10 Mitgliedern hat der Vorstand binnen 5 Tage eine Hauptversammlung anzuberaumen.

 

§ 15

Zu außergewöhnlichen Ausgaben, die den Betrag von (?) Mk. überschreiten, hat der Vorstand die Zustimmung der Hauptversammlung einzuholen, ebenso bei allgemeiner Erhöhung und Erniedrigung der Beiträge, Ausgaben für Musik kann der Vorstand selbstständig bewirken.

 

§ 16

Der Vorstand kann unbemittelten Turnern die Beiträge ermäßigen evtl. erlassen.

 

§ 17

Der Vorstand ist verpflichtet, am ersten Samstag eines jeden Monats eine Sitzung zur Erörterung von Vereins Angelegenheiten abzuhalten. Die Anwesenheit des Vorsitzenden oder dessen Stellvertreter und noch 4 Vorstandsmitgliedern ist zur Beschlussfähigkeit erforderlich. Stimmenmehrheit entscheidet, bei Stimmengleichheit entschiedet der Vorsitzende. Sobald es sich um Angelegenheiten der Unterabteilungen des Vereins handelt, sind deren Leiter hinzuzuziehen, und haben diese dann Sitz und Stimme im Vorstand bei Angelegenheiten ihrer Abteilung.

 

§ 18

Der Vorstand wird im Januar neu gewählt und tritt mit dem Februar in sein Amt. Die Glieder des alten Vorstandes sind wieder wählbar. Die Wahlen geschehen durch Stimmzettel oder Zuruf nach absoluter Stimmenmehrheit. Ergibt sich bei der ersten eine solche nicht, so findet eine engerer Wahl zwischen den Zweien statt, auf die die meisten Stimmen fallen.

 

VI.
Hauptversammlungen

§ 19

Hauptversammlungen finden alljährlich im Januar statt. In außergewöhnlichen Fällen hat der Vorstand das Recht, außerordentliche Hauptversammlungen anzuberaumen. Dieselben müssen 8 Tage vorher bekannt gemacht werden und zwar:

  • durch das amtliche Kreisblatt,
  • durch Anschreiben an der Tafel im Vereinslokal,
  • durch Bekanntmachung auf dem Turnplatz.

 

§ 20

Die Hauptversammlung ist beschlussfähig durch die anwesenden Mitglieder, ohne Rücksicht auf deren Zahl. Einfache Stimmenmehrheit entscheidet mit Ausnahme der Bestimmung des § 21. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende. Vollmachten bei Abstimmung sind nicht gültig.

 

§ 21

Auflösung des Vereins kann nicht erfolgen, solange noch 10 Mitglieder für das Fortbestehen des Vereins bestimmen.

Im Falle der Auflösung fällt diesen Mitgliedern as Vereinsvermögen zu, sowie dieselben auch für etwa entstandene Schulden aufkommen müssen.

 

VII.
Allgemeine Bestimmungen

§ 22

Aus dem Verein scheiden mit Verlust auf jeden Anspruch die Mitglieder aus, welche:

  1. sich durch ihr Verhalten mit dem Zwecke des Vereins in Widerspruch setzen, insbesondere solche, welche den Anforderungen in §3 nicht entsprechen,
  2. mit der Entrichtung der laufenden Beträge länger als einen Monat über den festgelegten Fälligkeitstermin hinaus, im Rückstande bleiben,
  3. beharrlichen Ungehorsam den Satzungen oder Beschlüssen entgegensetzten, die Ruhe und Ordnung in den Versammlungen und in öffentlichen Zusammenkünften oder Aufzügen durch ungebührliches Betragen stören,
  4. ihren Austritt aus dem Verein freiwillig erklären.

Die Ausschließung von Mitgliedern erfolgt in den vorstehend bezeichneten Fällen durch Beschluss des Vorstandes. Gegen einen derartigen Beschluss steht dem Betreffenden frei, binnen 4 Wochen sich zur nochmaligen Beschlussfassung an den Vorstand unter Darlegung seiner Einwendungen, zu wenden.

 

§ 23

Der Antrag auf Ausschluss einen Mitgliedes kann auch dann zur Beschlussfassung kommen, wenn derselbe von 10 Vereinsmitgliedern gestellt ist. Dieser Antrag muss nebst den Gründen wenigstens 8 Tage vor einer Vorstandssitzung beim Vorstande eingereicht werden, welche alsdann, wenn er die Gründe für triftig hält, nach Anhörung des Beschuldigten für den Kläger auftritt und dem Betreffenden sofort Mitteilung macht. Die Beschlussfassung über den gestellten Antrag kann in der nächsten Vorstandssitzung nur dann erfolgen, wenn der Vorsitzende oder sein Stellvertreter mit noch 4 Vorstandsmitgliedern anwesend sind. Ist diese Anzahl nicht vorhanden, so ist binnen 8 Tagen eine zweite Sitzung anzuberaumen, welche in beliebiger Anzahl beschlussfähig ist. Die Abstimmung erfolgt nach einfacher Stimmenmehrheit.

 

§ 24

Zu den Fördermitteln gehören Turnfahrten, öffentliche Schauturnen, Turnfeste und gesellige Zusammenkünfte. Politik und Religions- Angelegenheit sind gänzlich ausgeschlossen.

 

§ 25

Unterabteilungen, welche sich zur Hebung des Vereinslebens innerhalb des Vereins bilden, bedürfen der besonderen Genehmigung des Vorstandes und der Hauptversammlung. Dieselben sind verpflichtet, ihre Satzung dem Vorstand vorzulegen zur Prüfung, der sie demnächst der Hauptversammlung zur Genehmigung unterbreitet. Der Verein ist berechtigt, solche Abteilungen aus der Vereinskasse zu unterstützen.

 

§ 26

Zu den von dem Verein gegebenen Festlichkeiten steht es dem Vorstand frei zu bestimmen, ob und von dem Eintrittsgelder erhoben werden sollen oder nicht, ebenso ob und wie die Einführung von Nichtmitgliedern stattfinden kann.

 

§ 27

Alles, was im Interesse des Vereins in den Hauptversammlungen oder an den Turn- und Gesellschaftsabenden zur Sprache gebracht wird, bleibt im Verein und darf außer besonderer Erlaubnis des Vorstandes von keinem Mitgliede, bei Verlust der Mitgliedschaft, zur Besprechung außerhalb des Vereins noch zur Veröffentlichung in Zeitungen dienen.

 

§ 28

Streitigkeiten im Verein entscheidet stets der Vorstand und hat sich jedes Mitglied dessen Urteil zu unterwerfen.

 

§ 29

Gegenwärtige Statuten treten mit dem (?) in Kraft.

   

 

Geschäftsordnung für die Hauptversammlung

§ 1

Der Vorsitzende eröffnet, leitet und schließt die Sitzung und hat die Ordnung bei der Verhandlung zu handhaben.

 

§ 2

Jedes Mitglied, welches zu sprechen wünscht, hat den Vorsitzenden um das Wort zu bitten. Letzterer erteilt das selbe nach der Reihe der Anmeldung

 

§ 3

Niemand ist befugt, einen Redner zu unterbrechen. Der Vorsitzende schließt die Versammlung nach erschöpfender Besprechung.

 

§ 4

Abstimmungen sind in der Weise von dem Vorsitzenden vorzunehmen, dass bei der Vorlage mehrerer Anträge über den weitgehendsten Antrag zuerst abgestimmt wird.

 

§ 5

In zweifelhaften Fällen werden zwei von dem Vorsitzenden bezeichnete Mitglieder die Stimmzählung vornehmen.

 

§ 6

Nichtmitglieder haben zu den Versammlungen keinen Zutritt. Dagegen können Nichtmitglieder bei gemütlichen Zusammenkünften eingeführt werden.

 

§ 7

Das Protokoll der Sitzung wird stets zu Ende derselben und zu Anfang der nächstfolgenden Sitzung verlesen und muss von den Vorstandsmitgliedern unterschrieben werden.

 

 

Wallen, den 07. Februar 1926

Der Vorstand des Turnvereins „Wallenstein"

 

gezeichnet:

  • Anton Rettler, jr.
  • Johannes Vielhaber, jr.
  • Joh. Stirnberg
  • Anton Mertens
  • Ferdinand Eickhoff
  • Franz Burghardt, jun.
  • Heinr. Nurk
  • Johannes Jürgens
  • Lud. Vornweg